
Dr. Anne Bakhit, Psychiatrist at PsycheMed Brain & Mind Clinic
July 5, 2026
In unserer Klinik sehe wir immer mehr Patienten, die Angst vor einer schweren Krankheit oder vor dem Tod haben. Wir sprechen hier von zwei Angststörungen: Hypochondrie und Thanatophobie. Warum treten diese Beschwerden immer häufiger auf?
Früher gingen wir zum Arzt, wenn wir krank waren; heute besuchen wir ihn, um zu wissen, ob wir gesund sind. Die Medizin konzentriert sich zunehmend auf die Prävention von Krankheiten. Gab es Krebsfälle in der Familie, kann man sich regelmäßig untersuchen lassen, um festzustellen, ob ein Risiko besteht, selbst daran zu erkranken. Liegt eine genetische Veranlagung vor? Gut, dann kann man sich jährlich untersuchen lassen, um zu sehen, ob man erkrankt. Wir gehen also nicht mehr nur zum Arzt, wenn wir krank sind. Wir wollen jedes Risiko ausschließen. Doch was bewirkt diese ständige Beschäftigung mit unserer Sterblichkeit in unserem Gehirn?

Die Psychologie hinter Krankheitsangststörungen wird heute stärker denn je befeuert, und die Ursachen sind näher, als man denkt. Heutzutage nutzt man Online-Foren, um herauszufinden, ob die eigenen Beschwerden ernst zu nehmen sind und wie man sie behandeln kann. Immer mehr Menschen nutzen Google, um nach einer Diagnose zu suchen. Obwohl wir alle wissen, dass diese Informationsquelle unzuverlässig ist – und darauf wird auch hingewiesen –, entsteht ein Medienstrom, in dem die Algorithmen der sozialen Medien perfekt auf die Suchanfragen zugeschnitten sind. Die Folge: Man sieht immer mehr Werbung für genau die Dinge, die einem Angst machen, und das verstärkt die Ängste.
Zusätzlich gibt es in Westeuropa immer mehr Aufklärungskampagnen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Aufklärung ist wichtig, zum Beispiel um Kinderimpfungen zu fördern oder Epidemien vorzubeugen. Aber ist es wirklich nötig, an einem schönen, sonnigen Tag im Fernsehen sofort über Hautkrebsprävention zu sprechen, Sonnenschutzmittel zu bewerben und auf die Risikofaktoren hinzuweisen? Fördert das nicht die Anfälligkeit für Hypochondrie, und wirken diese Werbespots als psychologischer Auslöser? Außerdem sieht man in Westeuropa einen zunehmenden Trend zu Präventionswerbung, beispielsweise von Stiftungen für Krebspatienten, Alzheimer-Patienten, Asthma-Patienten und viele andere.
Statt Prävention wird übermäßige Wachsamkeit geschürt. Jedes noch so kleine Wehwehchen wird plötzlich anhand der Symptome bewertet, die gerade eben in HD-Qualität durchs Wohnzimmer geflimmert sind. Die Medien präsentieren uns eine Welt, in der ständig Gefahr lauert, wodurch unser autonomes Nervensystem permanent im Kampf-oder-Flucht-Modus ist. Und so entsteht Stress: einer der Hauptgründe für Krankheiten.
Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie die Kultur unseren Umgang mit Krankheit und Angst prägt. Während wir in Westeuropa stark individualisiert sind und uns auf Kontrolle und vorausschauende Lebensplanung konzentrieren, herrscht in Ägypten eine ganz andere Dynamik. Die Lebenseinstellung – und die Erkenntnis seiner Endlichkeit – ist dort häufiger in ein größeres Kollektiv, den Glauben und eine gewisse Akzeptanz eingebettet (das allseits bekannte Inshallah). Es gibt weniger institutionelle Medizinisierung im Alltag, und der soziale Zusammenhalt ist stark. Während ein Europäer bei leichten Beschwerden sofort Google befragt oder sich ärztlich untersuchen lässt, suchen die Menschen in Ägypten eher Unterstützung in der Gemeinschaft und der Familie. Der Fokus liegt viel weniger auf der Mikromanagement-Praxis der Gesundheit; schließlich haben wir andere Dinge im Kopf. Die Zukunft ist weit entfernt, und wir sind mit der Gegenwart beschäftigt. Wer heute lebt, sorgt für heute.

Gesund zu leben bedeutet, dem eigenen Körper zu vertrauen und zu akzeptieren, dass das Leben Risiken birgt. Das versuche ich meinen Patienten zu vermitteln. Das Leben ist nicht immer vorhersehbar und kontrollierbar. Der durch Hypochondrie verursachte Stress hingegen schon. Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie gewinnen Sie die Kontrolle über Ihre Gedanken und Handlungen zurück. Neben praktischen Ratschlägen für ein gesünderes Leben weise ich auch auf die Unruhe hin, die durch die Inhalte sozialer Medien entsteht. Insbesondere im Fall von … ist dieser ständige Strom von Naturkatastrophen, Unfällen und Kriegen der Nährboden für diese tiefe, intrinsische Angst um das eigene Überleben.
Sowohl bei Hypochondrie als auch bei Thanatophobie ist Stressprävention der beste Weg, inneren Frieden zu finden und die Welt wieder in die richtige Perspektive zu rücken: sich auf das eigene Leben zu konzentrieren. Wenn Sie diese Symptome bei sich wiedererkennen, kontaktieren Sie uns bitte. Unser Team hilft Ihnen gerne. +20 10 36542739
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